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MSJ nimmt Stellung

Randsport

Kinder brauchen Kinder, Kinder brauchen Sport – so lautet die Forderung, mit der die Münchner Sportjugend (MSJ) in den vergangenen Wochen auf die Münchner Politik eingewirkt hat. Denn für die MSJ ist klar, unsere Kleinsten waren von den Ein­schränkungen der vergangenen Monate besonders hart getroffen. Langsam kommt mit den ersten Öffnungen auch wieder Bewe­gung in die Diskussion um den Sport und insbesondere in den Sport für Kinder und Jugendliche. Dennoch wird auch hier wieder mal mit verschiedenem Maß gemessen. Für erwachsene Profisportler werden Möglichkeiten geschaffen, die für unsere Kinder und Jugendlichen leider größtenteils noch undenkbar sind. Und wieder einmal kann vor allem der Profi-Fußball seine Wünsche durch­setzen, obwohl es gerade die weniger von Fernsehrechtsstreits betroffenen Randsportarten besonders hart trifft.

Denn eines wird in diesen Tagen mal wieder sehr deutlich, insbesondere kleineren Randsportarten fehlt eine für sie eintretende Lobby. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat sich über die vergangenen Wochen natürlich für alle ihm angehörenden Sportarten eingesetzt, dennoch hat der Fußball und hier vor allem der Profi-Fußball die Diskussion dominiert. Aber auch Kinder haben ein Recht auf Sport, genauso wie Profis, und Sport besteht nicht nur aus Fußball, auch in Deutschland.

Sport ist genauso vielfältig wie unsere Kinder, und genau diese Vielfalt ist für die sportliche Entwicklung unseres Nachwuchses so wichtig. Manche Schulprogramme nehmen den Vielfaltsgedanken bereits in ihre sportliche Gestaltung mit auf, so zum Beispiel das KISS- Projekt, das viele Münchner Schulen gemeinsam mit Münchner Sportvereinen anbieten. Im Vordergrund stehen hierbei das Verbessern koordinativer Fähigkeiten und das Erlernen sportlicher Grundzüge, ganz unabhängig von der letztlich später einmal favorisierten Sportart der Kinder.

Auch der normale Sportunterricht lebt von der Vielfalt, er sollte ein Ort sein, bei dem die Kinder mit möglichst vielen verschiedenen Sportarten in Berührung kommen, um herauszufinden, welche Sportart sie vielleicht interessieren könnte. Doch oft sind es auch hier gerade Randsportarten, die nicht zum Zug kommen. Leider gibt es bislang nur wenige Schülerinnen und Schüler, die in ihrer schulischen Laufbahn mit Sportarten wie Quidditch oder Ultimate Frisbee in Berührung kommen, um nur einmal zwei Beispiele zu nennen. Die MSJ will das ändern und fordert mehr Sichtbarkeit für Randsportarten. Nicht nur in Schulen, sondern auch in der medialen Berichterstattung muss den vielzähligen Randsportarten mehr Platz zugestanden werden. Denn wie sollen Kinder und Jugendliche sonst von der Vielfalt des Sports erfahren?

Und dass sie davon erfahren, ist unabdingbar. Wir wissen längst, dass Kinder Sport machen müssen und das am besten an der frischen Luft, um spielerisch auch über Zusammenhalt, Verlust, Ehrgeiz und Demokratie zu erfahren. Die MSJ fordert deshalb, Sport zu einem Kernfach in der Schule zu machen! Wo sonst könnten Kinder besser praktisch über Vielfalt lernen als im Sport?

Doch viel zu oft finden Kinder, die mit Fußball nichts anfangen können, generell auch „Sport“ doof, weil sie eigentlich nicht viele andere Sportarten kennen. Wer eine Randsportart betreibt ist meist durch Freunde oder Familie an sie geraten oder in manchen Fällen durch glückliche Zufälle. Wäre die Vielfalt des Sports aber bekannter, so könnten auch mehr Kinder für den Sport gewonnen werden. Denn bei der riesigen Auswahl an verschiedensten Sportarten allein in München dürfte für die allermeisten Kinder etwas Spannendes und Interessantes dabei sein.

Die MSJ fordert deshalb eine bessere Sichtbarkeit für Randsportarten und auch innerhalb der Stadt mehr Platz für Randsportarten. Denn wenn der Fußball den Randsport immer weiter an den Rand treibt, dann braucht es nicht verwundern, wenn unsere sportliche Vielfalt immer weiter abnimmt. Gerade Randsportarten haben meist keine starke Lobby oder einflussreiche Ligen oder Verbände. Sie brauchen unser aller Hilfe, damit unsere sportliche Vielfalt auch in Zukunft erhalten werden kann. Und diese Hilfe brauchen viele Vereine gerade jetzt. Vielleicht schauen Sie am nächsten freien Sonntag auch einfach mal bei einer ganz neuen Sportart zu und entdecken, wie vielfältig der Sport auch außerhalb der Olympischen Spiele sein kann. Wussten Sie zum Beispiel, dass im Münchner Umland auch Blindenbaseball gespielt wird? Lassen Sie uns nicht nur alle paar Jahre verwundert und fasziniert neue Sportarten entdecken, sondern helfen, eben auch unseren Münchner Randsport in die Breite zu tragen.

Die MSJ will im MSJ-Magazin 02/2020 ihren Beitrag zu dieser Diskussion leisten und Ihnen bereits ein paar erste Randsportarten vorstellen, um Lust auf mehr zu machen. Wenn auch Sie eine Randsportart betreiben, die wir im MSJ-Magazin nicht vorgestellt haben, schreiben Sie uns an: info@msj.de. Gerne setzen wir auch Ihre Sportart ins Rampenlicht.

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