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Politikmitteilung 2|2021 – Jung, Engagiert & Selbstbestimmt

Von 16. Juli 2021 Juli 19th, 2021 Kein Kommentar

An die Stadtpolitik

Sehr geehrte Damen und Herren,

wenn es um die Zukunft unserer Sportvereine geht, nimmt die Nachwuchsfrage immer eine zentrale Rolle ein. Im Aktionsmonat „Ganztag & Sportverein“ im März ging es darum, dass die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen zunehmend durch den schulischen Ganztag bestimmt wird und dass sich Sportvereine daher damit auseinandersetzen müssen, wie sie die Kinder und Jugendlichen künftig im Verein halten können. Für die Vereine spielt aber nicht nur die Mitgliederzahl eine wichtige Rolle. Vielmehr ist die Entwicklung des ehrenamtlichen Engagements in unserer Gesellschaft von hoher Bedeutung. Denn das deutsche Sportvereinesystem basiert auf dem Ehrenamt und dem freiwilligen Engagement zahlreicher Mitarbeitenden. Gefragt ist erfolgreiche Nachwuchsarbeit für das Ehrenamt. Doch was motiviert junge Menschen dazu sich ehrenamtlich zu engagieren? Welche Bedürfnisse und Anforderungen haben Sie an bestimmte Ämter?

Junge Generationen müssen in Entscheidungsprozesse und Vereinsstrukturen einbezogen werden. Der Sportverein muss ein Ort sein, der jungen Menschen nicht nur das Sporttreiben ermöglicht, sondern auch Raum für selbstbestimmte Mitgestaltung und Mitbestimmung bietet.
Obwohl Beteiligung und Engagement immer wieder von jungen Menschen gefordert werden, gelingt es doch selten, zufriedenstellende Strategien und Konzepte zu finden. Voraussetzung für eine ernst gemeinte Beteiligung ist es, das Jugendalter nicht als Phase der Integration junger Menschen in festgeschriebene gesellschaftliche Strukturen und Institutionen zu verstehen. Vielmehr muss die „Lebensphase Jugend“ die Option eröffnen, Bestehendes infrage zu stellen, um damit wichtige Veränderungsimpulse zu ermöglichen. Junge Menschen sind als kompetente Akteurinnen und Akteure in dieser Gesellschaft zu akzeptieren. Wir dürfen nicht nur über sie, sondern müssen mit ihnen sprechen.

Deshalb sehen wir auch die politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger in der Pflicht, Konzepte und Institutionen zu schaffen, die jungen Menschen wirkliche Mitsprache ermöglicht – egal ob in der Politik (bestes Beispiel ist die Pandemie), Schule oder im Sport.
Schon früh in der Jugend braucht es Berührungspunkte, in denen man in Kontakt zu ersten ehrenamtlichen Einsätzen kommt. Es braucht Mentorenprogramme und Erfahrungsberichte, die zum Ziel haben, eigene Vorstandschaften jung und offen zu gestalten. Wir brauchen Begegnungsstätten und Netzwerktreffen ausschließlich für junge Engagierte. Es braucht einen Transformationsprozess, der auch institutionalisierte Mitsprache für Jugendliche mit sich bringt. Im Sportverein beispielsweise durch Jugendordnungen.

Kurzum: Junges Engagement braucht Sichtbarkeit!

Wie können Sie dazu beitragen?

  • Anerkennung von Engagement durch Ermöglichung und Unterstützung.
  • Würdigung jungen ehrenamtlichen Einsatzes durch Ergänzung dieser Kategorie bei der Münchner Sportlerehrung (in Kooperation mit der Münchner Sportjugend).
  • Setzen Sie sich für die Schaffung, Erhaltung bzw. Wiederherstellung guter Rahmenbedingungen für Engagement ein. Junge Menschen werden sich meist nur dann engagieren, wenn sie gesicherte und positive Zukunftschancen haben und sozioökonomisch grundlegend abgesichert sind.
  • Im Jugendbereich ist eine Jugend- und Bildungspolitik vordringlich, die durch zeitliche Entzerrung und Harmonisierung zeitliche Verdichtungen vermeidet. Beispielsweise kann auf einen einheitlichen wöchentlichen Ehrenamtsnachmittag für außerschulische Jugendbildung bzw. einen „Ferienschutz“ für Studierende hingewirkt werden.
  • Die Förderung von wertegebundenen Formen des Engagements in Organisation wie Sportvereinen müssen Vorrang haben vor politisch abhängigen hybriden Formen wie Freiwilligenagenturen, trisektoralen Netzwerken usw.
  • Mitsprache und Netzwerke institutionalisieren

Wenn Sie an einem konkreteren Austausch hierzu interessiert sind, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.

Bei Interesse finden Sie eine Dokumentation des Aktionsmonats sowie einige Inhalte on Demand (z.B. Podcast, Podiumsdiskussion) auf unserer Homepage unter www.msj.de/aktionsmonat.

Mit unseren Politikmitteilungen möchten wir unserer Rolle als Mittler und Interessenvertreter zwischen Stadtpolitik und organisiertem Sport wahrnehmen. Wir machen Sie auf aktuelle Herausforderungen und Wünsche aus den Vereinen aufmerksam und bitten um Unterstützung für Forderungen der Jugendarbeit im Sport. Aber auch umgekehrt möchten wir Ihnen eine Brücke zum organisierten Sport bauen. Kommen Sie mit uns ins Gespräch.

Unser nächster Aktionsmonat im Oktober 2021 wird das Thema „Mädchen im Sport“ behandeln. Dabei werden wir diskutieren, wie Mädchen und junge Frauen in die Sportvereine gebracht und dort gehalten sowie später als Ehrenamtler gewonnen werden können. Wenn auch Sie Teil des Aktionsmonats werden möchten, kontaktieren Sie uns gerne!

Mit bewegenden Grüßen im Namen der gesamten MSJ!

#msjbewegt #DieStimmeDerKinder #jungUNDengagiert