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Im Interview über junges Engagement im Sport:

Clara Bergmüller (li) und Steffi Ohneiser (re)

Von Sophie Kost

Clara (22 Jahre) und Steffi (19 Jahre) engagieren sich in und für ihre Vereinsjugend im DJK Sportbund München. Clara steht seit sieben Jahren am Beckenrand und trainiert aktuell die Kinder und Jugendlichen der Nachwuchsleistungssportgruppen im Schwimmen. Vor zwei Jahren hat sie außerdem das Amt der Jugendleiterin für den gesamten Verein übernommen. Steffi hat vor fünf Jahren als Co-Trainerin angefangen und unterrichtet jetzt ihre eigenen Gruppen im Schwimmen. Genau wie Clara bekleidet sie seit zwei Jahren ein weiteres Amt, nämlich das der Jugendsprecherin in der Schwimm-Abteilung. Über ihre alltäglichen Aufgaben, wie sie sich motivieren und welche Vorteile, aber auch Herausforderungen für junge Engagierte sie sehen, haben sie uns in einem digitalen Gespräch verraten.

Liebe Clara, liebe Steffi, wie seid ihr zu euren Ämtern gekommen und was sind seitdem eure Aufgaben?

Clara: Bei mir lief das ganz typisch: Unser vorheriger Vereinsjugendleiter hat mich gefragt, ob ich das Amt übernehmen möchte. Da ich zuvor nicht viel davon mitbekommen habe, war mein Gedanke, dass der Aufwand ja nicht allzu groß ausfallen könne. Außerdem bin ich als Jugendleiterin jetzt Mitglied des Vorstands und darf an den Vereinsratssitzungen teilnehmen. Das war für mich sehr interessant. Also habe ich mich zur Wahl aufstellen lassen und bin nun seit zwei Jahren Jugendleiterin des DJK Sportbund. Ich habe keine festen Aufgaben, mache vor allem das, was gerade anfällt oder was mir so einfällt und wichtig ist. Seit ich im Amt bin, habe ich beispielsweise einen internen Schwimmshop, eine Instagram-Seite sowie einen Präventionsleitfaden für sexuelle Gewalt erstellt. Außerdem sind wir mit der Jugend zu einem Wettkampf nach Wuppertal gefahren. Aufgrund von Corona kann und konnte ich meine weiteren Ideen leider noch nicht umsetzen. Hoffentlich wird das bald wieder!

Steffi: Mein Job ist es, das Bindeglied zwischen den Schwimmerinnen bzw. Schwimmern und den Verantwortlichen zu sein. Ich organisiere mit Clara zusammen Aktionen und Projekte für die Jugend und vertrete als Jugendsprecherin deren Interessen. Ich habe mich vor zwei Jahren als Kandidatin aufstellen lassen, da ich schon in der Schule Klassensprecherin war und es sich für mich richtig anfühlt, andere Menschen und deren Interessen zu vertreten.

Wie viele Stunden eurer Freizeit widmet ihr durchschnittlich eurem Ehrenamt?

Clara: Normalerweise circa 20 Stunden pro Woche. Diese 20 Stunden setzen sich zusammen aus der sportlichen Trainingsarbeit und der konzeptionellen Arbeit im Büro. Wenn ein Wettkampf ansteht, kann es natürlich auch mal mehr werden. Während Corona sind es derzeit rund 16 Stunden, da wir Training nur an Land und Theorieeinheiten per Zoom anbieten können.

Steffi: Bei mir ist es ein bisschen weniger. Normalerweise widme ich circa fünf Stunden pro Woche meinem Amt. Nämlich zwei bis drei Stunden Training mit ein bis zwei Stunden Vor- und Nachbereitung. Wenn noch etwas anderes ansteht, wie zum Beispiel die Erstellung des Leitfadens gegen sexuelle Gewalt, kommt das zusätzlich drauf.

Was ist eure Motivation, diese Ämter auszuführen, wenn ihr doch so viel eurer Freizeit dafür aufwendet?

Clara: Da ich als Jugendleiterin aufgrund von Corona noch nicht so unglaublich viel machen konnte, kann ich hier mehr aus Sicht der Trainerin sprechen: Ich selbst mag Schwimmen einfach und deshalb auch, den Kinder zuzusehen, wie sie Schwimmen lernen. Die Zusammenarbeit mit Kindern macht mir großen Spaß, wenn ich sehen kann, wie die Schwimmerinnen und Schwimmer Spaß haben, sie für ihre Ziele arbeiten und dann etwas erreichen.

Steffi: Bei mir ist es ähnlich: Schwimmen ist meine Leidenschaft und diese Begeisterung möchte ich an die Kids weitergeben und deren Erfolge und Fortschritte miterleben.

Welche Werte und Erfahrungen könnt ihr aus eurer ehrenamtlichen Arbeit mitnehmen, die ihr auch in anderen Lebensbereichen anwenden könnt?

Clara: Die Interaktion mit vor allem jungen Menschen, die Selbstorganisation, welche man unbedingt benötigt, Zusammenarbeit und Teamwork und ganz zentral auch für andere Lebensbereiche die Kompetenz, lösungsorientiert zu handeln, sowohl mit Kindern als auch mit Erwachsenen.

Steffi: Wenn man viele Jahre mit Kindern arbeitet, ist man irgendwann auch auf alles vorbereitet, dann kann einen nichts mehr beeindrucken … Abgesehen davon nehme ich vor allem die sogenannten Soft Skills wie gute Kommunikation, Einfühlsamkeit und Selbstorganisation mit.

Seid ihr zufrieden mit euren Qualifizierungsmöglichkeiten im Verein?

Beide: Ja, total. Externe Fortbildungen werden, ohne zu zögern, vom Verein angeboten und bezahlt. Manchmal würden wir uns aber intern noch mehr Fortbildungen und Workshops wünschen.

Wie viel Mitsprache und Eigenständigkeit hat die Jugend in eurem Verein?

Clara: In der Theorie, also laut Jugendordnung, recht viel. In der Praxis sieht es dann doch oft ein bisschen anders aus. Das kann dann schon auch mal auf die Motivation drücken und man überlegt zweimal, ob man etwas mit der Jugend organisiert. Hier müssen wir unsere Eigenständigkeit vielleicht an der ein oder anderen Stelle noch vehementer einfordern und uns noch die ein oder andere Hürde aus dem Weg schaffen. Dennoch sehen wir, dass der Verein hier auf dem richtigen Weg ist. Die Position der Jugendleitung gibt es noch nicht allzu lange bei uns und deshalb werden Einwände oder Anliegen an der ein oder anderen Stelle manchmal noch übersehen, aber wir werden unsere Interessen weiterhin einfordern.

Was sind eure größten Herausforderungen als Jugendleiterin/-sprecherin?

Beide: Wir sind wirklich gerne Jugendleiterin und -sprecherin, aber trotzdem halten wir es nicht für selbstverständlich, dass wir diese Ämter ausüben. Dieses Gefühl wird einem aber nicht von allen Seiten so entgegengebracht. Mit Anerkennung, Wertschätzung, Dankbarkeit und Feedback könnte man viel mehr Freude und Engagement bei jungen Sportlerinnen und Sportlern hervorrufen. Mit einem Umgang auf Augenhöhe und wirklichen Mitgestaltungsmöglichkeiten erkennt man das ehrenamtliche Engagement viel mehr an als mit einer finanziellen Aufwandentschädigung. Manchmal reichen schon ein einfaches „Danke“, zeitnahes Antworten auf E-Mails und das Ernstnehmen von Anliegen der Jugend.

„Junges Ehrenamt ist die Zukunft des gemeinnützig organisierten Sports.“ Stimmt ihr dieser Aussage zu und warum?

Beide: Größtenteils ja. Einerseits ist die heutige Jugend die Zukunft des Vereins und die Schnittstelle zur Vereinsjugend. Andererseits kann die Jugend natürlich auch nicht alles allein stemmen und wissen. Also würden wir sagen, die Mischung aus Jung und Alt macht es aus. Gute Zusammenarbeit auf Augenhöhe ist wichtig. Man kann weder auf die Erfahrung der älteren Menschen noch auf die innovativen Impulse und die neuen Ideen der Jugend verzichten. Die Vereine sollten von Anfang an aus eigenem Interesse heraus kontinuierlich an einer engagierten Vereinsjugend arbeiten und diese fördern und fordern.

Wie wirbt euer Verein um Ehrenamtliche und was könnte er darüber hinaus tun, um noch mehr Ehrenamtliche bzw. noch mehr Engagement zu gewinnen?

Beide: Aktuell werden junge Wettkampfschwimmerinnen und -schwimmer rekrutiert und als Co-Trainerinnen bzw. -Trainer eingesetzt. In dieser Position können sie sich entwickeln und wichtige Erfahrungen sammeln, um so irgendwann ihre eigenen Gruppen übernehmen zu können. Außerdem schreibt der Verein Stellen auf der Homepage aus. Zusätzlich könnte man durch aktive Suche auf externes Personal zurückgreifen und interne Fortbildungen forcieren. Übungsleitende müssen Vorbilder sein und den Spaß an der Arbeit vermitteln, damit die Kinder danach streben, später ebenfalls ein Amt zu übernehmen. Das Vereinsgefühl bzw. die Vereinsbindung muss noch viel mehr gestärkt werden, denn nur wenn man Teil einer Gemeinschaft ist und sich in dieser wohlfühlt, möchte man später auch daran teilhaben und sich aktiv einbringen.

Habt ihr darüber hinaus hilfreiche Tipps für Vereine und Engagierte?

Clara: Man sollte auf jeden Fall den persönlichen Nutzen sehen und nicht auf die Impulse von außen, also zum Beispiel das Schulterklopfen der Abteilungsleitung, warten, sondern viel mehr den Wert auf das legen, was direkt bei einem ankommt, also zum Beispiel die Wertschätzung durch die Kinder im Training. Sich selbstständig weiterzubilden, hilft wahrscheinlich in jeder Lebenssituation, denn je mehr man weiß, desto spaßiger ist es und umso mehr fühlt man sich bestätigt, weil man Dinge kompetent umsetzen kann. Und ganz wichtig ist: dranbleiben! Es lohnt sich vielleicht nicht gleich morgen, aber irgendwann wird es das.

Steffi: Man sollte Gemeinschaften und Teams bilden und die Leute nicht immer alles allein machen lassen. So macht es mehr Spaß, ist einfacher und es entstehen mehr Ideen. Aber die Teams müssen funktionieren, was vor allem durch gutes Teamwork und ‒ ganz entscheidend ‒ Kommunikation geschieht.

Beschreibt in drei Worten, was ehrenamtliches Engagement für euch bedeutet.

Clara: Wohlbefinden, Unterstützung und Vertrauen.

Steffi: Leidenschaft, Stolz und Selbstbewusstsein.

 

Vielen Dank für das Gespräch!