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Allgemein

„Jung, Engagiert und Selbstbestimmt”: eine Diskussion…

 …mit jungen Engagierten aus verschiedensten Bereichen des Ehrenamts

Von Ferdinand Zurek

 

Wie alt seid ihr und wie lange seid ihr schon im Ehrenamt tätig?

Maximilian Mooseder: Ich bin 21 und bin seit 2014 ehrenamtlich unterwegs, auf ganz verschiedenen Ebenen, sei es als Judotrainer, in der Bayrischen Sportjugend Oberbayern im Vorstand oder auch bei Little Lab seit zwei oder drei Jahren. Auch in der MSJ helfe ich immer wieder aus.

Oscar Trautner: Ich bin 20 Jahre alt und hab 2018 mit meinem ehrenamtlichen Engagement begonnen. Nach dem Abi habe ich damals ein FSJ in meinem damaligen Volleyballverein gemacht. Im Jahr darauf wechselte ich den Verein und bin seitdem dort als Trainer tätig und helfe beim Training der Bayernauswahl mit.

Gosia Hannemann: Ich bin 39 und hauptsächlich bei Little Lab (gemeinnütziger Verein zur Begeisterung von Kindern für Naturwissenschaften) tätig. Dort arbeite ich mit jungen Ehrenamtlichen. Als ich noch studiert habe, war ich auch bei einer NGO engagiert.

 

Wie viele Stunden pro Woche engagiert ihr euch?

Max: Unterschiedlich ‒ früher waren es auch mal 8‒10 Stunden pro Woche, jetzt sind es rund 5 Stunden.

Oscar: Im FSJ waren es die normalen 32‒38 Stunden, nun sind es 6‒20 Stunden pro Woche.

Gosia: Bei der NGO damals waren es 15 Stunden. Bei Little Lab bin ich 10‒15 Stunden, zu denen andere ehrenamtliche Tätigkeiten hinzukommen, die circa 2 Stunden in Anspruch nehmen. Die jungen Ehrenamtlichen, mit denen ich zusammenarbeite, engagieren sich meist zwischen 2 bis 10 Stunden.

 

In welchen Bereichen erhaltet ihr am meisten bzw. am wenigsten Unterstützung?

Max: Die meiste Unterstützung in den verschiedenen Ehrenämtern kommt von Leuten, die mit einem im Ehrenamt engagiert sind, oder die “direkten Vorgesetzten”, zum Beispiel eine Abteilungsleitung. Ich bekomme auch von meinem derzeitigen Arbeitgeber im FSJ viel Unterstützung. Beispielsweise bekomme ich frei oder kann Dienstpläne tauschen, damit ich mich engagieren kann. Das ist aber leider bei den wenigsten Arbeitgebern der Fall.

Oscar: In meinem FSJ war es teilweise hektisch und unorganisiert, da musste ich vieles selbst organisieren. Bei meinem neuen Verein wurde ich gut an die Hand genommen, da ich den Trainer kannte. Mit ihm zusammen habe ich Trainings gehalten und immer super Feedback bekommen. Dort integrieren wir auch die 14- oder 15-jährigen Spielerinnen im Training der 10-Jährigen unter der Aufsicht eines Hauptübungsleiters, sodass sie dann schon früh eingebunden werden.

Gosia: Vor allem von anderen Mitengagierten und den Menschen um einen herum bekommt man sehr viel Motivation oder auch mal Demotivation.

 

Wird euch die angemessene Wertschätzung für eure Arbeit entgegengebracht?

Oscar: Ich hatte immer das Gefühl, wenn man sich engagiert und reinhängt, dass das wertgeschätzt wird, sowohl vom Verein, vom Veranstalter oder auch von den Eltern oder Spielerinnen und Spielern. Ich habe da noch nie schlechte Erfahrungen gemacht.

Max: Vor allem von Kindern, Eltern oder der Abteilungsleitung, also denen, die wirklich vor Ort sehen, was man macht, kriegt man immer eine hohe Wertschätzung. Es ist ein großartiges Gefühl, wenn man mitbekommt, dass das, was man macht, andere Leute begeistert, und man von diesen auch tolles Feedback erhält. Jedoch war es bei meinem ehemaligen Sportverein häufig dennoch so, dass das Engagement in der haupt- und ehrenamtlichen Führungsebene als selbstverständlich angesehen wurde und die Wertschätzung dementsprechend nicht gegeben war.

Gosia: Ich hatte nie das Gefühl, dass ich zu viel investiere und zu wenig zurückbekomme. Je informeller und unorganisierter das Ganze ist, desto eher ist es dann aber so, dass davon ausgegangen wird, dass das schon jemand machen wird. Die Leute sind froh, dass das einer macht, aber würden es nie selbst machen.

 

Würdest du anderen ein Ehrenamt empfehlen?

Gosia: Ich würde es auf jeden Fall mit 3 Ausrufezeichen empfehlen. Man nimmt unglaublich viel mit und lernt vieles dazu, was man auch im Beruflichen benötigen kann. Man lernt beispielsweise mit vielen verschiedenen Menschen umzugehen.

Oscar: Ich kann mich dem Ganzen nur anschließen. Man lernt super viel dazu, auch wenn man später nicht in dem Bereich arbeiten will. Vor allem hilft so ein Ehrenamt, wenn man anfangs eher noch ein Problem hat, vor Menschen zu sprechen. Man lernt schnell offener zu werden.

Max: Ich empfehle es auf jeden Fall. Man kann tolle Sachen erleben, seine Social-Skills verbessern und die verschiedensten Kontakte knüpfen. Das kann wiederum im Ehrenamt, beruflich und privat sehr viel helfen.

 

Welche Art der Entlohnung findet ihr angemessen? Sollte diese eher monetär oder nicht-monetär ausfallen?

Oscar: Ich finde Geld schon wichtig, auch wenn es nicht viel ist, weil man dann direkt sieht, was man gemacht hat. Ich finde, dass das auch viele abschreckt, dass man so viel Zeit investiert, ohne etwas zu bekommen. Aber ich finde auch nicht-monetäre Entlohnung gut, es kommt immer auf die Einzelsituation und das Engagement an. Wenn jetzt ein Spieler eine halbe Stunde vor dem Training bei der Jugend aushilft, braucht der nicht direkt Geld. Aber wenn viel Zeit investiert wird, ist Geld wichtig. Ich als Student müsste ohne Bezahlung einen Nebenjob annehmen und hätte weniger Zeit für den Sport.

Gosia: Ich habe verschiedene Erfahrungen gemacht. Für viele ist Geld nun mal praktischer als kostenlose Teamkleidung oder so. Mein ehemaliges Ehrenamt im Studium war ohne Bezahlung, da war der Lernfaktor Bezahlung genug. Wobei ich es gut fand, dass die Reisekosten übernommen wurden, das war im Studium schon sehr wichtig.

Max: Die Kosten, die einem durch das Ehrenamt entstehen, sollten schon gedeckt werden. Vor allem, wenn die Institution des Ehrenamts die Mittel zur Verfügung hat, das sollte das Mindeste sein. Ich glaube, es ist sinnvoll, wenn die Ehrenamtlichen bis zur steuerfreien Übungsleiterpauschale verdienen. Das ist angemessen und noch kein Nebenjob. Aber wenn die Person, die ehrenamtlich tätig ist, nicht auf das Geld angewiesen ist, sollte die Bezahlung eine untergeordnete Rolle spielen.