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AllgemeinGender und Sport

Benachteiligungen im Frauenfußball – ein trauriger Alltag

Von 11. Oktober 2021Kein Kommentar

Von Felix Hrdina

Wir schreiben das Jahr 1865. In Stuttgart ertönt ein Pfiff, der den Beginn des ersten offiziell verbrieften Fußballspiels auf deutschem Boden signalisiert. Doch etwas fällt sofort auf: Wie so oft stehen lediglich Männer auf dem Platz. Auch wenn sich seit diesem ersten Spiel von den Regeln bis hin zu dem Spielball so gut wie alles verändert hat, so bleibt eine Tatsache unberührt: Auch heute noch wird Fußball klar mit dem männlichen Geschlecht assoziiert, obwohl Frauen auf dem Fußballplatz längst keine Rarität mehr sind.

Obwohl Politik und Sportverbände diese genderbasierte Ungerechtigkeit schon lange erkannt haben, lassen sich immer noch zahlreiche Beispiele für die Benachteiligung des Frauenfußballs finden, wie Anh Lê, eine Spielerin des Team München, berichtet. So berichtet sie von mehreren Spielen, bei denen die Mannschaften bei sommerlichen Temperaturen von mehr als 30°C einfach von ihrem Schiedsrichter versetzt wurden. Solche Vorfälle treten weder vereinzelt auf, noch sind sie die einzigen ihrer Art. So beschränkt sich die Benachteiligung gegenüber den Männern auch nicht nur auf den Amateurfußball. Selbst im Frauenfußball auf Weltklasseniveau hielt die Ungerechtigkeit erst kürzlich wieder offensichtlich Einzug: 16. Mai 2021, Champions League Finale der Frauen. Der FC Chelsea trifft auf Barcelona. Alle, die sich auch nur im Ansatz mit Fußball auskennen, werden bestätigen können, was für eine Klasse eine Partie zwischen diesen beiden Giganten des Fußballs hat. Wo im Männerfußball stundenlange Vorbesprechungen, Analysen und Prognosen auf einer Vielzahl von Sendern stattgefunden hätten, da findet sich beim Fußball der Frauen: Nichts. Keine Vorbesprechungen, keine Analysen, keine Prognosen. Auch wird das Spiel nicht wie die Finalpartien des Männerfußballs auf einem der öffentlich-rechtlichen Sender übertragen, sondern auf einem Nischensender. Egal, Hauptsache das Spiel läuft. Anpfiff, und gleich zu Beginn ein spektakuläres Eigentor der deutschen Nationalspielerin Melanie Leupolz. Nicht gesehen? Ich auch nicht. Warum? Weil der Sender sich entschied bis zur vierten Minute des Spiels lieber Werbung zu zeigen.

Was im Männerfußball einen Eklat ausgelöst hätte, wurde in diesem Fall schulterzuckend hingenommen. Das Spiel zeigt sich spannend, torreich, und von sexistischen Äußerungen des Kommentators geprägt. 0-4 für Barcelona, was für ein Spiel! Leider legt sich nur auch hier einmal mehr der Schatten der Ungerechtigkeit über die schönste Nebensache der Welt und macht sie nur noch halb so schön.

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