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AllgemeinGender und Sport

Gleichberechtigung durch und im Fußball

Von 25. Oktober 2021Kein Kommentar

Ein Gespräch mit Svenja Grundl von mission equal

Von Felix Hrdina

Kaum eine andere Sportart genießt in Deutschland eine solche Popularität wie der Fußball. Ganz egal, ob es sich dabei um die Bundesliga, die Champions League oder die WM handelt: Es finden meist stunden-, wenn nicht tagelange Vorbesprechungen und Analysen statt. Diese Aufmerksamkeit auch dem Frauenfußball zukommen zu lassen, das hat sich Frau Svenja Grundl mit ihrem Verein „mission equal“ zur Aufgabe gemacht. Der MSJ beantwortet sie im Gespräch Fragen rund um den Frauenfußball, Gleichberechtigung und ihre Organisation.

Seit Langem schon beklagt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen Bewegungsmangel bei jungen Menschen, ganz unabhängig vom Geschlecht. Der Anteil der sportlich inaktiven Mädchen ist dennoch signifikant höher und geht es um Vereinsmitgliedschaften sind in Deutschland sogar nur rund ein Fünftel der gesamten weiblichen Bevölkerung aktiv. Worin siehst du die Hauptgründe für diese Statistik?

Wir glauben tatsächlich, dass das vor allem an den Medien und der Gesellschaft liegt. Hier stellt sich wieder einmal die klassische Frage, was zuerst da war: Das gesellschaftliche Gedankenkonstrukt, das besagt, dass die meisten Sportarten nichts für Frauen wären oder die Medien, die hauptsächlich Sportveranstaltungen übertragen, mit denen sich Mädchen und Frauen kaum identifizieren können. So gibt es viele Fans des Frauenfußballs, die ihre Sportart in den Medien kaum verfolgen können. Ganz im Gegensatz zu den Fußballspielen der männlichen Kollegen: Deren Fans können die Sportveranstaltungen mühelos, oft sogar mehrfach parallel, medial verfolgen. Das ist, denke ich, auch einer der Hauptgründe, warum Mädchen gar nicht erst inspiriert werden können, Fußball bzw. überhaupt Sport zu machen.

Was ist der größte Nutzen, den Sport Mädchen und jungen Frauen geben kann?

Ich denke das Gleiche, das er auch Jungen und Männern geben kann. Dazu kommt, dass Mädchen, die Sportarten machen, die bis jetzt gesellschaftlich als nicht so typisch weiblich gesehen werden, zusätzlich zu dem Teamgeist und der Freude am Sport lernen, mit gesellschaftlichem Widerstand klarzukommen. So haben verschiedene Studien herausgefunden, dass solche Frauen später in der Berufswelt sich durch Durchsetzungsvermögen und Ausdauer auszeichnen, da sie bereits in ihrer Kindheit gegenüber Jungs Stärke zeigen und sich durchsetzen mussten. Auch wenn einem diese Problematik auf den ersten Blick als etwas Negatives erscheint, so ist es in gewisser Hinsicht durchaus positiv für das spätere Berufsleben.

Glaubst du, dass diese Problematik im Bewusstsein der Politik angekommen ist oder muss deiner Meinung nach noch mehr um politisches Interesse geworben werden?

Das ist eine gute Frage. Da muss man sich natürlich fragen, inwieweit die Politik in der Lage ist, die Medien zu beeinflussen. Wir bei „mission equal“ sehen die Problematik eher in den Medien und auch darin, dass es durch die Medien zu einer sehr starken Veränderung im gesellschaftlichen Denken kommen kann. Ob das über die Politik in dem Sinne wirklich funktionieren kann, weiß ich nicht. Sicherlich gibt es aber viele Strukturen, die man ändern könnte und bestimmte Vorschriften könnten da auch nützlich sein.

Dein Verein „mission equal“ setzt sich ja besonders für Chancengleichheit und Anerkennung des Frauenfußballs in Sport und Gesellschaft ein. Wie versucht ihr dieses Ziel zu erreichen?

Wir möchten an vielen Schrauben gleichzeitig drehen. Das ist eine große Aufgabe und die sehen wir auch als sehr herausfordernd an. Daher ist es umso wichtiger, dass wir starke Mitglieder und Partnervereine mit an Bord haben. Mit „mission equal“ sind wir in drei Bereichen aktiv: Einmal haben wir Partnervereine, die aber keine Mitglieder sind und auch keine Beiträge zahlen. Vielmehr unterstützen wir diese Vereine. So sehen wir über die Vereine die Chance zu sensibilisieren und das Rückgrat dieser Vereine zu stärken. Dies geschieht, indem wir ihnen die Möglichkeit geben, uns als Partner zu nennen und so nicht alleine gegen Benachteiligung im Sport vorgehen zu müssen. Eine weitere Maßnahme ist die Stärkung unserer Community, der Spielerinnen, beispielsweise durch Themenabende. Außerdem möchten wir durch unsere Mitglieder und Partnervereinen auf die Medien einwirken, um notwendige Veränderungen anzustoßen.

Warum habt ihr Fußball als leitende Sportart ausgewählt? Warum nicht Handball oder Basketball? Gibt es dafür bestimmte Gründe?

Persönlich sicherlich durch die Erfahrungen meiner Tochter im Fußball. Vor allem aber auch, weil Fußball hier in Deutschland nun einmal sehr dominant ist. Ich komme aus Kanada, wo ich mit Fußball nichts am Hut hatte. Im Gegensatz dazu kommt man in Deutschland kaum am Fußball vorbei. Ich kann aber sehr wohl in Deutschland leben, ohne auch nur das geringste über Handball wissen zu müssen. Wir kennen das alle: Zur Fußball-WM werden sogar Termine verschoben, nur damit sich alle das Spiel anschauen können. Genau durch diese Extreme und Popularität bekommt eine mit Fußball verbundene Kampagne die notwendige Aufmerksamkeit. Ich weiß noch, in was für einem Umfang die Spiele der EM dieses Jahr in den Medien vor- und nachbereitet wurden. Warum sollte das nicht auch bei den Frauen so sein? Am Ende des Tages ist es das gleiche Spiel. Ich finde diese Energie, die beim Fußball entsteht, toll und ich fände es schön, wenn wir das in unserem Land doppelt erleben dürfen – bei den Frauen genauso wie bei den Männern.

Die MSJ veranstaltet derzeit den Aktionsmonat „Mädchen im Sport“. Glaubst du, dass solche und ähnliche Aktionen das öffentliche Bewusstsein bezüglich Mädchen und Frauen im Sport aktiv beeinflussen können?

Ja, ich glaube sehr wohl, dass solche Aktionen etwas verändern können. Sicherlich braucht es insgesamt noch mehr davon, aber solche Veranstaltungen sind ein Anfang. Und genauso, wie es Monate gibt, die auf andere Missstände aufweisen, ist es wichtig, dass es so etwas auch im Sport gibt. Durch solche Aktionen beschäftigt sich die Gesellschaft mit den Problematiken. Ich bin der Meinung, dass so das öffentliche Bewusstsein verändert werden kann.

Vielen Dank!

Wenn ihr mehr über „mission equal“ und ihre Projekte und Ziele erfahren möchtet, schaut auf ihrer Website unter https://missionequal.de/ vorbei und nehmt an den nächsten Infoabenden teil!25

 

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