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Allgemein

Interview – mit Sabine Bankauf und Leopold Beer

Junges Engagement im Blick: Wie Vereine junge Erwachsene begeistern und binden!

Hallo, Leopold, du bist jetzt seit zehn Jahren ehrenamtlich im Verein SC Wasserfreunde München engagiert. Was hat dich persönlich dazu gebracht, wie kam es dazu?

In das Ehrenamt beim SCW bin ich über die persönliche Ansprache durch meine Badleiterin und den damaligen Jugendwart gekommen, die bereits im Verein engagiert und Vorbilder für mich waren. Sie haben mir das notwendige Vertrauen entgegengebracht, sodass ich von ihnen lernen und Neues ausprobieren konnte. Das hat mir superviel Spaß gemacht, weswegen ich mit der Zeit zunehmend auch selbst mehr Verantwortung übernommen habe.

Sabine, du leitest das Freiwilligenzentrum z’sam der Diakonie München ‒ was sind deiner Meinung nach die größten Herausforderungen, wenns darum geht, Leute aus der jüngeren Generation für ehrenamtliche Vereinsarbeit zu begeistern?

Eine der größten Herausforderungen ist sicher der Faktor Zeit. Neben Studium, Ausbildung, Beruf, Familie und Freunden bleibt oft nicht mehr viel Raum für ein Engagement im Verein. Der Alltag vieler junger Menschen fordert oft ein hohes Maß an Flexibilität ein. Zudem haben sich die Motivationen von jungen Menschen geändert. Junge Menschen möchten aktiv mitgestalten, Kontakte knüpfen, sich fürs Gemeinwohl engagieren, aber auch für sich selbst etwas mitnehmen. Diese Faktoren passen oft nicht mit tradierten Vereinsstrukturen und einer hohen Verbindlichkeit zusammen.

Leopold, welche konkreten Projekte oder Herangehensweisen haben sich in der Vergangenheit bewährt, um Leute aus unserer Generation aktiv in die Vereinsarbeit einzubeziehen?

Ich habe das Gefühl, dass zwei Punkte mir und anderen besonders helfen, uns aktiv in die Vereinsarbeit einzubringen. Zunächst ist das ein Vertrauensvorschuss, der deswegen so wichtig ist, weil wir als junge Menschen gerade zu Beginn unseres ehrenamtlichen Engagements auch Fehler machen und vieles nicht perfekt läuft. Zum anderen ist das eine größtmögliche Entscheidungsfreiheit, sodass wir als Jugend genau die Projekte umsetzen können, die für uns wichtig sind.

Sabine, welche coolen Insider-Tricks und Ideen gibts, um junge Erwachsene für ein Ehrenamt im Sportverein zu gewinnen und dann langfristig zu binden?

Erst mal braucht es den Perspektivenwechsel. Also nicht die Frage: Wen oder was brauche ich als Verein? Sondern: Was brauchen junge Menschen, um sich zu engagieren? So kann sich der Verein an den Motivationen der jungen Menschen orientieren: Haben wir Angebote, bei denen sich Menschen flexibel und kurzfristig engagieren können? Was können Engagierte bei uns mitnehmen? Haben wir Fortbildungsangebote? Welche Mitsprachemöglichkeiten haben junge Menschen bei uns? Bei der konkreten Gewinnung halte ich zwei Sachen für wesentlich. Welche Kommunikationskanäle bedient ihr und was oder wer erzählt dort. Geht also der Frage nach, wo erreicht ihr eure Zielgruppe? Im Internet, auf Instagram oder auch persönlich an Schulen oder Unis. Und dann erzählt eure Geschichten aus dem Vereinsleben. So können Interessent*innen einen Einblick ins Engagement bei euch und von den aktiven Personen dort bekommen. Über diesen Weg könnt ihr Offenheit transportieren und zeigen, dass neue Mitmacher*innen bei euch willkommen sind.

Welche Strategie fahrt ihr bei euch im Verein, Leopold, um auch junge Erwachsene mit wenig Zeit oder unregelmäßigem Zeitplan erfolgreich in die Vereinsaktivitäten einzubinden?

Damit sich junge Erwachsene mit wenig Zeit und unregelmäßigem Zeitplan erfolgreich einbringen können, sollten keine überhöhten Erwartungen an sie gestellt und die Arbeit auf möglichst viele Schultern verteilt werden. Bei uns im Verein zum Beispiel haben wir für die Jugendarbeit ein Team von rund 20 Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Dadurch ist der Aufwand für den Einzelnen überschaubar und alle können je nach persönlicher Verfügbarkeit selbst steuern, wie viel und bei welchen Veranstaltungen sie unterstützen können.

Sabine, inwiefern spielt die Anerkennung und Wertschätzung der ehrenamtlichen Arbeit eine Rolle bei der langfristigen Bindung junger Erwachsener an den Verein? Wo gibts hier noch Verbesserungsbedarf?

Freude und Spaß ist eine wesentliche Motivation, warum sich Menschen ehrenamtlich engagieren. Wenn ich meine Zeit schenke, dann möchte ich mich auch wohlfühlen in meinem Engagement. Deshalb spielt die Anerkennungs- und Wertschätzungskultur natürlich eine zentrale Rolle. Dabei geht es nicht nur um Lob, Danksagungen, Aufwandsentschädigungen, sondern um eine umfassende Wertschätzungskultur im Verein. Gibt es beispielsweise genug Austauschformate, eine*n festen Ansprechpartner*in und funktioniert Kommunikation auf Augenhöhe? Dafür braucht es im Verein ein gutes Konzept für Freiwilligenmanagement. Das schafft die Basis für eine gute Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen. Hier bedarf es oft nochmals einer Rückversicherung auf Vorstands- und Vereinsebene. Und es ist oft auch eine Ressourcenfrage. Wer übernimmt im Verein die Koordination von ehrenamtlich Engagierten. Wer kann hier als Ansprechpartner*in für alle Fragen und Themen von Mitwirkenden da sein?

 

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